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DIVI 3 / 2016, Seite 118, Wissenschaft

Klaus Hahnenkamp1, Klaus Böhler2, Heiner Wolters3, Karsten Wiebe4,
Dietmar Schneider
5, Hartmut H.-J. Schmidt6

Organprotektive Intensivtherapie beim Organspender

Organ-protective intensive care in organ donors

Hintergrund: Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls ermöglicht es, die therapeutischen Maßnahmen zu limitieren oder zu beenden. Alternativ kann im Falle der Organspende die patientenzentrierte Therapie in die spenderzentrierte Therapie übergeleitet werden. Konsentierte Empfehlungen zur organprotektiven Spendertherapie gibt es bisher in Deutschland nicht.
Methode: Es erfolgte eine selektive Literaturrecherche in PubMed, zudem flossen klinische Erfahrungen der Autoren in die Analyse mit ein.
Ergebnisse: Der irreversible Hirnfunktionsausfall eines Patienten führt zu gravierenden pathophysiologischen Veränderungen mit Anstieg der Katecholamine und plötzlichem Abfall unter anderem von antidiuretischem Hormon, Cortisol, Insulin und Triiodthyronin/Tetraiodthyronin. Diese Veränderungen beeinflussen die Funktionsfähigkeit aller Organe, die Hämodynamik und die Temperaturregulation. Es wird davon ausgegangen, dass die Verwendung standardisierter Donor-Management-Protokolle die Rate an transplantierten Organen pro Spender beziehungsweise die Qualität der transplantierten Organe verbessern kann. Die zusätzliche Gabe von Methylprednisolon, Desmopressin und Vasopressin kann im Einzelfall eine sinnvolle Ergänzung der Therapie darstellen. In randomisierten kontrollierten Studien konnte bisher weder ein verlängertes Überleben der Transplantatempfänger noch eine verbesserte Organfunktion nachgewiesen werden.
Schlussfolgerung: Die Evidenzlage der organprotektiven Intensivtherapie ist schwach, das Evidenzniveau basiert meistens auf Expertenmeinung. Es gibt Hinweise, dass die konsequente Fortführung der Intensivtherapie im Sinne eines frühzeitigen Spendermanagements sowohl die Zahl der transplantierbaren Organe als auch die Organqualität verbessern und damit den Transplantationserfolg steigern kann.
Zusatzmaterial:
Mit „e“ gekennzeichnete Literatur und eTabelle:
www.online-divi.de
Background: The ascertainment of brain death (the irreversible, total loss of brain function) gives the physician the opportunity to limit or stop further treatment. Alternatively, if the brain-dead individual is an organ donor, the mode of treatment can be changed from patient-centered to donation-centered. Consensus-derived recommendations for the organ-protective treatment of brain-dead organ donors are not yet available in Germany.
Methods: This review is based on pertinent publications retrieved by a selective search in PubMed, and on the authors’ clinical experience.
Results: Brain death causes major pathophysiological changes, including an increase in catecholamine levels and
a sudden drop in the concentration of multiple hormones, among them antidiuretic hormone, cortisol, insulin, and tri- and tetraiodothyronine. These changes affect the function of all organ systems, as well as the hemodynamic state and the regulation of body temperature. The use of standardized donor management protocols might well increase the rate
of transplanted organs per donor and improve the quality of the transplanted organs. In addition, the administration of methylprednisolone, desmopressin, and vasopressin could be a useful supplement to treatment in some cases. Randomized controlled trials have not yet demonstrated either improved organ function or prolonged survival of the transplant recipients.
Conclusion: The evidence base for organ-protective intensive care is weak; most of the available evidence is on the level of expert opinion. There is good reason to believe, however, that the continuation of intensive care, in the sense of early donor management, can make organ transplantation more successful both by increasing the number of transplantable organs and by improving organ quality.

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Ausgabe 3 / 2016
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